| Für alle, die keine Glaskugel zwecks Ansicht der Zukunft haben, zunächst die globale Sicht. In den letzten 3 Monaten stiegen die Preise in der Eurozone 50 Basispunkte auf 3,3%. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat daraufhin den Leitzins um 25 Basispunkte angehoben. Frage: Wird das die Preisdynamik brechen, oder bremst sie wie übrigens 2011 in ungünstigem Umfeld? Denn die aktuelle Kerninflation verblieb das zweite Mal in Folge bei 2,4% und zeigt keine breite inflationäre Tendenz. |
| Auslöser des Preisanstiegs liegt ja gar nicht an der überaktiven Binnenkonjunktur, sondern im Nahen Osten. Trumps Krieg hat das globale Ölangebot maßgeblich mit unmittelbaren Folgen für die Energiepreise gestört und mit Verzögerung nahezu alle vor- und nachgelagerten Preise in der Wirtschaft. Es ist also ein klassischer Angebotsschock: Die Preise steigen nicht, weil zu viel konsumiert wird, sondern weil zu wenig produziert und transportiert werden kann. |
Die EZB ist in einer schwierigen Lage, denn über den Leitzins lässt sich vor allem die Nachfrage steuern, nicht aber das Angebot an Öl auf dem Weltmarkt. Auf Tanker oder jetzt Pipelines hat die EZB keinen Einfluss. Ihre Maßnahme beschränkt lediglich die Wirtschaft, die höheren Preise zu tragen; diese kann jedoch kaum dauerhaft die höheren Preise verkraften. Kurzfristig muss die Wirtschaft leiden: Höhere Energiekosten treffen auf einen gestiegenen Leitzins, Unternehmen (und auch die Immobilienwirtschaft) sehen sich teurerer Finanzierung und teureren Vorprodukten/Gestehungskosten gegenüber, Konsumenten büßen Kaufkraft ein. Damit ist auf breiter Front eine spürbare Abkühlung zu erwarten – und zwar zeitnah. Wir stellen täglich fest, dass viele sich zum Abwarten veranlasst sehen, also im gewissen Umfang Stagnation.
Diese Abkühlung ist zwar auch der Schlüssel zur mittelfristigen Entspannung. Gedämpfte Nachfrage, begrenztes Geldmengenwachstum und eine, sofern sich die geopolitische Lage nicht weiter zuspitzt, zu erwartende Normalisierung des Ölpreises dürften den aktuellen Inflationsschub schrittweise auslaufen lassen. Die EZB kann ja den Ölpreis nicht senken. Da wir ihn uns ihn nicht dauerhaft leisten können, wird dies schließlich die Inflation und damit die Zinsen wieder sinken lassen. Wer allerdings darauf wartet und wartet, könnte den Zeitpunkt für den interessantesten Ankauf verpassen, weil dann wahrscheinlich das Angebot auf sehr große Nachfrage trifft (Schweinezyklus genannt). Das sagt mir meine Glaskugel und die lag in den letzten 36 Jahren oft richtig.